In wenigen Minuten waren sie ans Ufer gerudert und landeten links von dem breiten Lavastrom, der sich ins Meer wälzte. Hier zischte und qualmte es, als wären zehn Dampflokomotiven ins Wasser gefallen. Bullerjan stieg aus und nahm Toby auf die Schultern. Er probierte vorsichtig ein paar Schritte auf den heißen Steinen. Das kühle, nasse Segeltuch schützte seine Füße, es machte ihm nichts aus, auf den frischgebackenen Steinen zu laufen. Toby dirigierte ihn und sie stiegen den Berg links neben dem Lavastrom hoch. 

In der Zwischenzeit ruderte Kullerjan einen Halbkreis, um der Lava auszuweichen. Er kam rechts vom Lavastrom ans Ufer. Dort stieg er hastig aus und nahm den Nudeltopf auf den Rücken. Im Topf lag das Tau auf dem nassen Segeltuchstück. 

Bullerjan war mit Toby auf den Schultern schon ziemlich weit oben. Deswegen beeilte sich Kullerjan. Weil er nicht so schwer zu tragen hatte, kam er schneller voran. Das hatte Toby so vorausberechnet. 

Flo stand auf seinem kleinen Felsbrocken und hatte sie jetzt alle drei entdeckt. Er breitete seine Flügel aus und da sah Toby, dass er viele Federn verloren hatte.

»Schneller Jungs!«, rief er. Kullerjan und Bullerjan liefen und kletterten noch eiliger den Berg hinauf. Sie keuchten und schwitzten.

»Noch zehn Meter, Jungs!« Gleich sind wir da!«, rief Toby. Der Vulkan brodelte und polterte. Flo trippelte von einem Bein auf das andere. Rechts und links von seinem Felsbrocken floss die glühend heiße Lava bedrohlich nahe vorbei. Dann waren sie endlich und auch gleichzeitig da.

»Los Kullerjan, wirf das Tau rüber!«, schrie Toby. »Aber wirf genau, es darf nicht in die Lava fallen, sonst verbrennt es!« Kullerjan setzte den Nudeltopf ab und nahm das Tau heraus. Er suchte einen festen Stand und holte weit aus. Auf der anderen Seite wartete Bullerjan mit Toby auf seinen Schultern. Das Poltern und Grollen im Berg wurde immer lauter. Es musste jetzt schnell gehen, sie hatten nicht mehr viel Zeit.

»Drei, zwei, eins, jetzt!«, rief Toby laut und Kullerjan warf. Hoch über Flo hinweg flog das Tau hinüber. Toby streckte sich und Bullerjan konnte ihn gerade noch festhalten, sonst wäre er in die Lava gestürzt. Aber es glückte. Toby fing das Tau an einem Ende und Kullerjan hatte das andere Ende fest in seinen Händen. Das Tau spannte sich jetzt über den roten Lavafluss.

»Der Nudeltopf, Kullerjan, beeil dich!«, rief Toby und jetzt ging wirklich alles ganz schnell. Kullerjan fädelte das Tau in die Henkel des Nudeltopfs. Dann machte er sich ganz groß und streckte seine langen, starken Arme so hoch er konnte. Bullerjan auf der anderen Seite war in die Knie gegangen und hielt das Tau dicht über dem dampfenden Boden. Und so rutschte der Topf wie bei einer kleinen Seilbahn von Kullerjans Seite bis über die Mitte des Lavastroms. Kullerjan senkte seine Arme und der Topf baumelte ruhig am Tau direkt neben Flo, der auf dem Felsbrocken von einem Bein aufs andere trippelte.

»Rasch Flo, steig ein, los, los!«, rief Toby. Der blaue Flamingo hob seine langen Beine und stieg in den Nudeltopf. Wie froh war er, als er auf dem feuchten, kühlen Segeltuch stehen durfte. Toby hatte einfach an alles gedacht.

»Hoch, Kullerjan!«, schrie Toby jetzt. Kullerjan streckte sich wieder in die Höhe und so rutschte der Nudeltopf mit einem blauen Flamingo an Bord über die heiße Lava hinweg bis auf die andere Seite, wo Bullerjan ihn in seine starken Arme nahm. Kullerjan ließ das Tau fallen und lief los.

»Heiße Füße von unten, Toby!«, rief er laut. Das feuchte Segeltuch an seinen Füßen hielt nicht mehr lange.

»Ganz heiße Füße von unten, Toby!«, rief auch Bullerjan, und beide schwitzten um die Wette.

»Dann beeilt euch Jungs, zack, zack!«, schrie Toby. Bullerjan trug Toby auf seinen Schultern und Flo in seinen Armen. Kullerjan war wie geplant zuerst wieder unten am Ufer, wo das kleine Ruderboot lag. Er sprang hinein und ruderte was das Zeug hielt in einem Halbkreis um die brodelnde Lavasoße herum. Kaum war er wieder am Ufer, kam auch schon Bullerjan mit seinen beiden Passagieren angerannt. Toby musste sich gut an seinen Ohren festhalten. Dann waren sie im Boot und die beiden Matrosen ruderten, dass die Muskeln krachten, zurück zur Canneloni. Käpt’n Sansibo hatte alles durch sein Fernrohr beobachtet.

»Alle Mann zurück an Bord«, rief Toby, als sie zusammen mit Flo wieder an Deck standen. Käpt’n Sansibo strahlte und warf seinen Piratenkapitänshut hoch in die Luft.

»Jo! Ihr seid ’ne gute Mannschaft, vielleicht die beste, die ein Piratenkapitän haben kann!«, rief er und klopfte ihnen allen auf die Schultern. Flo blinzelte mit dem rechten Auge und Toby blinzelte mit beiden Augen, weil die Füße der beiden Matrosen so qualmten. 

»Jetzt segeln wir erst mal aus diesem Schlamassel raus und dann gibt es ’ne Extraportion Nudeln, Männer. Wir haben ja noch einen Topf.«

»Jooo!«, schrien alle. Davon erwachte Oma Zitrona auf der Schulter des Käpt’ns.

»Ach du mein lieber Zitronenkeks!«, krächzte sie. »Wo sind wir denn?«

»Auf dem Meer!«, schrien alle.

»Ach so«, krächzte sie, machte die Augen zu und schlief wieder ein.